Kunst im Karner - Oktober 2004 - Josef Mikl - Christusfigur

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Kunst im Karner - Fotos und Berichte

9. Okt. Eröffnung  
10. Okt. Märchen | Der Karner - kunsthistorisch und mystisch
16. Okt. Figurales aus Ton | Gebet im Karner
17. Okt. Faure-Requiem des Kirchenchors | Szenische Lesung jiddischer Dichterinnen | Vortrag über Glasmalerei
22. Okt. Das Bild als christliche Botschaft
23. Okt. Workshop für Bildhauerei
24. Okt. Bildmeditation mit Musik
26. Okt. Benefizkonzert und Gedichte von Wildgans

Der Karner von St. Othmar, ältestes Gebäude in Mödling
9. Oktober 2004
Eröffnung durch Pfarrer Richard Posch und Bürgermeister Hans Stefan Hintner

 

Josef Mikl, Christusfigur, 1971/72, Öl/Leinwand, 300 x 200cm

Präsentation des
Christus-Bilds von 
Josef Mikl

v.r.n.l.: Frau Mikl, Prof. Mikl, Doris Frass

Organistationsteam, v.r.n.l.: Andrea Schubert, Lore Schanzer & Doris FrassDie Begrüßung erfolgte durch Doris Frass im Namen des Organisationsteams Lore Schanzer, Doris Frass und Andrea Schubert. Die Veranstaltung steht unter dem Motto "dem Karner wieder Leben einhauchen". 

HR Dr. Gebhard König, Direktor der NÖ Landesbibliothek, erläuterte die Geschichte des Karners und die Lebensgeschichte des heiligen Pantaleon, des Patrons der Kapelle im Karner. Weiters stellte er den Künstler Josef Mikl und sein Werk vor.

v.r.n.l.: Pfarrer Richard Posch & Bürgermeister Hans Stefan HintnerRichard Posch, Pfarrer in St. Othmar, und LAbg. Hans Stefan Hintner, Bürgermeister der Stadtgemeinde Mödling, eröffneten gemeinsam die Ausstellung. Anschließend konnte das Christus-Bild von Josef Mikl im Karner besichtigt werden (Öl auf Leinwand, enstanden 1971-72, 300x200cm). Auf Schautafeln wurden der Lebenslauf des Künstlers sowie wichtige Werke präsentiert, darunter ein Entwurf für ein Glasfenster in St. Margarethen im Burgenland.

Eröffnung im KarnerZahlreiche Gäste waren zu der Veranstaltung erschienen, darunter Pfarrer Dr. Klaus Heine von der evangelischen Pfarrgemeinde sowie einige Stadtpolitiker. Bei Sekt und ungarischem Gebäck gab es die Möglichkeit zum Gedankenaustausch. Vorsorglich aufgestellte Zelte schützten vor dem anschließend einsetzenden Regen.

Die Veranstaltung wurde durch ein Bläserquartett, die Mödlinger Karnerbläser, musikalisch umrahmt.

Sonntag, 10. Oktober
"Märchen rund um den Karner für Kinder und Erwachsene" mit Dr. Hansheinz Reinprecht 
Musikalische Begleitung: Hildegund Mayer (Hackbrett) und Dr. Ilse Dittrich (Gitarre)

Dr. Hansheinz Reinprecht

Hansheinz Reinprecht mit rotem Bart und gestreifter Mütze Hansheinz Reinprecht begann mit den Worten "Alles Große findet zuerst statt in der Fantasie eines Menschen. Daher sind Märchen so wichtig für Kinder."
Ein Märchenerzähler hat einen Bart und einen Hut, daher klebte sich Hansheinz Reinprecht einen roten Bart an und setzte eine schwarz-weiß gestreifte Mütze auf.

Dann erzählte er das Märchen von der Fledermaus:
Im Karner wohnt seit 800 Jahren eine Fledermaus. Vor einigen Jahrhunderten musste sie mit anhören, wie fremde Soldaten es sich im Karner gemütlich machten bei Speis und Trank, und dass sie vorhatten, Mödling zu verwüsten. Mit viel Mühe gelang es der Fledermaus, das Karnertor von außen mit dem schweren Schlüssel zu versperren. Am nächsten Tag konnten die Mödlinger die eingesperrten Soldaten vertreiben.

interessierte Zuhörer im KarnerDie Fledermaus wohnt noch immer im Karner, daher sagten alle gemeinsam folgenden Spruch:
Danke liebe Fledermaus,
hier im schönen Karnerhaus,
und gib weiter Tag und Nacht
auf uns acht.

Anschließend las Hansheinz Reinprecht zwei Märchen aus seinem neuen Buch "Es war einmal".
Das Märchen vom Bauern, in dessen langem Bart eine Maus wohnte.
Und das Märchen vom Regenwurm, der mit seinem Dasein unzufrieden war und der sich daher von einem Zauberer in eine Lerche, in einen Hasen und in einen Hahn verwandeln ließ. Nachdem er die Gefahren kennengelernt hatte, denen diese Tiere ausgesetzt sind (Falke, Jäger mit Hund, Fuchs), ließ er sich wieder in einen Regenwurm zurückverwandeln.
Sonntag, 10. Oktober
Podiumsgespräch und Publikumsdiskussion
"Der Karner - kunsthistorisch und mystisch" Karlheinz Pilcz und Erika Huber


Apsisfresko


Apsisfresko, Detail


umlaufendes Fries


Jagdszene


Kreuzigungsfresko

 

Erika Huber und Karlheinz Pilcz beim VortragFrau Erika Huber (Gaaden) präsentierte ihre Diplomarbeit "Der Mödlinger Glockenturm"
Karlheinz Pilcz erzählte zwischendurch Geschichten, Legenden und eigene Erlebnisse, die mit dem Karner in Zusammenhang stehen.

Forschungsergebnisse von Erika Huber:
(Die Diplomarbeit ist schriftlich noch nicht verfügbar, da noch nicht abgeschlossen)
Der Karner wurde erst um 1220 erbaut (bisher angenommen nach 1182, A. Weiss).
Gründe u.a.:
- Gleichzeitiger Kirchenbau
- Spitzbogen zwischen Hauptraum und Apsis im Untergeschoß (Beinhaus)
- Vergleich mit anderen Bauwerken aus der Zeit
Nach 1252 wurde der Karner erhöht (bisher angenommen unter Gertrud, A. Weiss)
Der Portalvorbau wurde ebenfalls erst nach 1252 angebaut.
- andere Fugentechnik als der Hauptbau
- große Ähnlichkeit des Stufenportals mit St. Stephan, vermutlich dieselbe Bauhütte
Das Apsisfresko ist aus der Zeit nach 1252 (andere Datierung um 1300), es wurde 1858 freigelegt.
Figuren rechts von Maria vermutlich die Babenbergerin Margarete (Schwester Friedrichs II.) und ihr Gemahl Ottokar II. Premysl von Böhmen (bisher angenommen Herzog Heinrich mit Gattin Richza).

Ein Karner war immer gebunden an einen Friedhof, dieser an eine Kirche mit pfarrlichen Rechten (Begräbnisrecht). Ab 1766 gab es nur mehr eine Hl. Messe in der Pantaleonskapelle, und zwar am 27. Juli (Hl. Pantaleon), 1798 das letztes Begräbnis bei St. Othmar und 1874 wurde der Friedhof aufgelassen.

Das umlaufendes Fries ähnlich Pfarrkirche Sollenau (1250).
Kapitellschmuck, Knotensäulen etc. als Dämonenabwehr eher unwahrscheinlich.
Die Knotensäulen wurden erst um 1900(!) von Gustav von Neumann errichtet, ebenso die senkrechten Friese am Portal. Die Rundbogenfriese am Portal stammen aus dem 13. Jht. (Fratzenfries später ergänzt?)

Relief mit Jagdszene am Portal:
Mögliche Deutung: Der Reiter ist der Teufel, er jagt Seelen, dargestellt durch den Hirsch. dazwischen der Lebensbaum (dieser fehlt inzwischen), symbolisiert das Kreuz Christi, das die Seelen schützt. Eine ähnliche Szene an der Pfarrkirche Sollenau (1250).

Das Patrozinium St. Pantaleon bestand vermutlich von Anfang an. Erklärung in der Liturgie der Ostkirche: Pantaleon als Fürsprecher für die Vergebung der Sünden.
Möglicherweise Reliquien von Pantaleon im Altar.

Kreuzigungsfresko stammt von 1330/40.
Ähnliche Darstellung an der Rückseite des Verduner Altares.
Stifterfigur Gertrud (Deutung von A. Weiss) sehr unwahrscheinlich.
Vermutlich kein Zusammenhang von Gertrud mit dem Mödlinger Karner.
Ehem. Empore im Karner (Deutung von A. Weiss) sehr unwahrscheinlich.

Erzählungen von Karlheinz Pilcz:

Richza schwanger, krank, Gelübde von Herzog Heinrich

Friedhof bei St. Othmar war der für die Reichen, die Armen wurden bei St. Martin begraben.

Ehemals 40000 Schädel im Beinhaus, z.T. mongolischer Typ. Anatomische Besonderheiten (verwachsenes Kiefer), Schöffel und Hyrtl.

Bei Umbau des Kirchenplatzes: offene Schächte mit Knochen. Franz Rinner fällt in einen Schacht, wird von Karlheinz Pilcz befreit.

Karner (fast) 8m im Durchmesser, 8m tief, ehemals 8m hoch.
8x8x8 = 512, Ziffernsumme ist wieder 8
Bedeutung der Zahl 8 in verschiedenen Zeiten, Kulturen, Religionen

Knotensäulen: der Teufel klettert an Säulen aus der Unterwelt empor, durch die Knotensäulen wird er wieder nach unten gelenkt.

Samstag, 16. Oktober:

15:00 Workshop "Figurales aus Ton"

 Unter der Anleitung von Lore Schanzer und Traute Casari lernten die Kinder vieles über den Werkstoff Ton und wie man einfach und schnell man "Figuren" formen kann.

Samstag, 16. Oktober:

20:00 Gebet im Karner

Eine halbe Stunde Meditation um offen zu werden für Gottes Wort und Stimme

Jedes Monat am 16. (Gedenktag des Heiligen Othmar 16. November) findet im Karner ein meditatives Gebet statt.

4 mal im Jahr wird dieses Gebet vom Quatemberkreis gestaltet. Dieser unterstützt Projekte in der sogenannten "dritten" Welt durch "fasten" - "beten" und "spenden".

Sonntag, 17. Oktober:

16:00 Konzert des Kirchenchors St. Othmar
Fauré- Requiem in St. Othmar

Probenarbeit des Kirchenchores mit Vladimir Prado

Requiem op. 48 von Gabriel Fauré für Kammerorchester, Orgel, Chor und Sopran- und Basssolo in der Originalfassung von 1893
Orchester: Florilegivm Mvsicvm Vienna; Kirchenchor von St. Othmar / Mödling (Einstudierung: Vladimir Prado); Orgel: Erzsébet Géred; Sopran: Nozomi Mineshima;  Bariton: Ion Tibrea; Dirigent: Vladimir Prado

Der französische Komponist Gabriel Fauré wurde am 12. Mai 1845 in Pamiers geboren. Von 1854 bis 1864 studierte er unter anderem bei Camille Saint-Saëns an der "Ecole Niedermeyer". 1871 wurde er selbst dort Lehrer. 1896 wechselte Fauré an das Pariser Conservatoire, dessen Leiter er von 1905 bis 1920 war. Unter seinen Schülern waren Maurice Ravel und Nadia Boulanger. Durch seine lange Lehrtätigkeit nahm Fauré maßgeblich Einfluss auf die Musik in Frankreich um 1900. In seinem eigenen Oevre, welches Opern, Bühnenmusiken, vielfältige Kammermusik, Lieder, ein Requiem und et-wa 50 Klavierstücke umfasst, steht er der französischen und deutschen Romantik nahe. Auch beschäftigte er sich mit gregorianischen Chorälen und den Kirchentonarten. In seinen späteren Jahren litt er zunehmend an einem Gehörleiden.
Gabriel Fauré starb am 4. November 1924, also vor fast genau 80 Jahren.

Sonntag, 17. Oktober:

17:30 Lesung "Ich bin vergessen" mit Prof. Elfriede Irrall und Olaf Scheuring

 Prof. Elfriede Irrall und Olaf Scheuring

Aufmerksame Zuhörer bei der Lesung im KarnerDie "szenische Lesung" aus Werken der beiden "jiddischen" Schriftstellerinnen Glückel von Hameln und Rajzel Zychlinski spannte einen Bogen über 200 Jahre Judenverfolgung. Die eine mußte erleben, wie die Juden vor über 250 Jahren aus Hamburg vertrieben wurden, die andere wie vor über 50 Jahren die Juden in Polen und Deutschland ausgerottet wurden.

Bertha Papenheim, die die Memoiren vom Jiddischen ins Deutsche übersetzte, als Glückel von HamelnElfriede Irrall las aus den Memoiren von Glückel von Hameln, die 1646 in Hamburg in eine angesehene jüdische Kaufmannsfamilie geboren wurde. Nach dem Tode ihres Mannes schrieb sie ihre Erlebnisse und damit auch eine Geschichte der Hamburger Juden im 17. Jahrhundert.   
Ihre Familie lebte in Wohlstand, Hamburg hatte den Dreissigjährigen Krieg unbeschadet überstanden und war eine aufblühende Handelsstadt. Trotzdem wurde Glückels Jugend von dem damals stets vorhandenen latenten Hass auf die jüdische Gemeinde überschattet.

Raizel ZylinskiOlaf Scheuring las aus dem lyrischen Werk von Raizel Zylinski, die, aus einer Rabbinerfamilie stammend, als eine der größten Lyrikerinnen in jiddischer Sprache gilt. 1910 in Polen geboren begann sie bereits mit 12 Jahren zu schreiben - zunächst in polnisch, dann in jiddisch. Mit 17 Jahren schrieb sie ihr erstes jiddisches Gedicht, mit 18 Jahren hatte sie eine erste Veröffentlichung. Den Nazis entkam sie durch die Flucht in die Sowjetunion. Die Ermordung ihrer Mutter und ihrer Geschwister bleiben ein lebenslanges Trauma. Dieses und die sonstigen schweren Erschütterungen ihres Jahrhunderts bestimmen teilweise den Inhalt ihrer Gedichte. Sie kehrte nach der Katastrophe zunächst nach Polen zurück, lebte von 1948 bis 1951 in Paris, danach in den USA vornehmlich in New York zuletzt in Kalifornien.

Zum Nachlesen:
Die Memoiren der Glückel von Hameln (ISBN 3895470406)
Rajzel Zychlinski: di lider. Die Gedichte. Jiddisch und Deutsch. Herausgegeben und übertragen von Hubert Witt (ISBN 3861504480)
Rajzel Zychlinski: Gottes blinde Augen (ISBN 3928254278)

Sonntag, 17. Oktober:

19:30 Vortrag "Glasmalerei" 
von Hofrat 
Dr. Ernst Bacher, Bundesdenkmalamt Wien

Dr. Ernst Bacher, Bundesdenkmalamt

 

Fenster in St. Othmar
Zwischen 1875 und 1897 wurden die Kirchenfenster während der Neugotisierung neu eingesetzt:

Kirchenfenster in St. Othmar
Kirchenfenster in St. Othmar

Dr. Ernst Bacher bei seinem Vortrag über GlasfensterHofrat Univ.Doz Dr. Ernst Bacher, ehemaliger Generalkonservator des Bundesdenkmalamtes und international anerkannter Spezialist für Glasmalerei hält einen Einführungsvortrag zum Thema "Glasmalerei": 

Nach einem kurzen Überblick zur Herstellung von Glas im Mittelalter erläutert Bacher die 3 Kriterien, die Glasmalerei ausmachen. 

1) das gefärbte Glas, das schon im 12. Jahrhundert in einer Fülle von Nuancen hergestellt wurde, was sehr hohes handwerkliches Können voraussetzt und eine reiche Palette für die Glasmalerei darstellt und uns heute noch die intensiven Farbvorstellungen des Mittelalters vor Augen führt 

2) die Verbleiung der einzelnen Glasteile mittels Bleiruten mit keulenförmigen Profilen, die eine weit höhere Elastizität und damit auch Haltbarkeit der Glasgemälde bedingt als die ab dem 19. Jhdt verwendeten Doppel-T-Profile und sich insgesamt harmonischer in die Darstellung einfügt. 

3) die eigentliche Glasmalerei mit Schwarzlot, einem Gemisch aus Glaspulver und Eisenoxid, das nachträglich nochmals auf das gefärbte Glas aufgebrannt wird. Dabei sind verschiedene Effekte durch linearen oder flächigen sowie beidseitigen Auftrag möglich. 

Beispiel eines Glasfensters auf der LeinwandNach einigen Beispielen sehr detailliert ausgeführter Glasgemälde, die der zeitgleichen Tafel- und Wandmalerei in keiner Weise nachstehen, beantwortet Bacher die im Raum stehende Frage nach dem Sinn derartig kleinteiliger und genauer Darstellungen, die man aufgrund der großen Entfernung der Glasfenster höchstens mit einem sehr guten Fernglas erkennen könnte: nicht die erkennbaren Bilder sind das Wesentliche sondern die Präsenz der einzelnen heilsgeschichtlichen Darstellungen, die innerhalb eines Fensters einen komplizierten Zusammenhang bilden. Das Bilderverbot des Alten Testaments wurde sozusagen durch die Unlesbarkeit eingehalten, trotzdem waren die Darstellungen in einem überhöhten Sinn gegenwärtig und damit wirksam. 

Dieser Gesamteindruck mittelalterlicher Glasmalerei, der nur im Kontext mit den umgebenden Wandflächen komplett ist, vermittelt so ein Abbild des Himmels oder des Himmlischen Jerusalem, das wie bei Johannes beschrieben, aus Edelsteinen gebaut ist. Die besondere Leuchtkraft färbiger Gläser muss auf die Gläubigen, die meist nur normales Tageslicht kannten, einen ungeheuren und übernatürlichen Eindruck gemacht und so die in der Kirche verkündeten Visionen unterstützt haben. 

Mit der Barockzeit ging das Interesse und damit die Handwerkskunst der Glasmalerei ziemlich verloren, um erst im erwachenden Historismus des 19. Jhdts wieder neu belebt zu werden. Im direkten Vergleich mit den mittelalterlichen Vorbildern erkennt man, dass nun das bildhafte und dekorative Element im Vordergrund steht und keine Überhöhung der Darstellungen stattfindet. Trotzdem stehen diese Glasmalereien handwerklich auf sehr hohem Niveau und sind genauso erhaltenswürdig wie die auf etwa 3 % ihres ursprünglichen Bestands reduzierten mittelalterlichen Glasfenster. 

Vortrag "Glasmalerei" am 17.10.2004 im KarnerBacher erläutert dann noch die Bedrohung der Glasmalerei durch Umwelteinflüsse, die nur durch radikale und aufwändige Schutzverglasungen aufgehalten werden kann. In der anschließenden Diskussion, an der sich auch Prof. Josef Mikl intensiv beteiligt, werden prinzipielle Fragen des Denkmalschutzes und der Restaurierung angesprochen und beantwortet.

Freitag, 22. Oktober:

19:30 "Das Bild als christliche Botschaft am Beispiel Giottos" mit Mag. Ursula Baradee und Mag. Grete Winterling

Mag. Ursula Baradee und Mag. Grete Winterling

Die beiden Kunsthistorikerinnen sprachen zuerst über die Jugend Giottos, der in der Nähe von Florenz 1266/67 geboren und aufgewachsen ist und dessen Zeichentalent erkannt wurde, als er die Schafe seiner Herde in den Sand zeichnete. Er erielt seine erste Ausbildung bei dem damals berühmtesten Maler Cimabue in Florenz, der noch sehr der byzantinischen Tradition verhaftet war. Schon bald zählten Dante und Boccaccio zu seinen Freunden und priesen ihn als Erneuerer der italienischen Malerei.

Als junger Künstler ging er nach Rom, wo er sein erstes Hauptwerk, ein riesiges Mosaik an einer Außenwand von St. Peter schuf, das in vielen Details noch seine Nähe zu antiken Vorbildern ahnen ließ. Das Mosaik, heute nur mehr durch alte Stiche erhalten, zeigte Petrus, der über das Wasser geht, während die anderen Apostel in einem Fischerboot sitzen, daher auch der Titel "Navicella" (Kleines Schiffchen). Darin sind viele Personen und Figurengruppen antike Zitate, z.B. die vier Windgötter oder der Angler im Vordergrund. Auch die Darstellung des Wassers und der Fische erinnert stark an antike Mosaike. Dieses weithin bekannte Werk begründete Giottos Ruhm.

Er wurde daraufhin nach Assisi gerufen, um die nach dem Tode Franziskus erbaute Grabkirche auszuschmücken. Mit der Bemalung des gesamten Langhauses kam der Malerei plötzlich ein nie vorher gekannter Stellenwert zu, sie wurde gleich wichtig wie die Bildhauerkunst und gewann gleichzeitig auch an Plastizität. In den Darstellungen des Lebens des Hl. Franziskus wurden erstmals Häuser und Räume leicht perspektivisch dargestellt, gleichzeitig wurde durch Farb- und Liniensymbolik der Blick des Betrachters auf das Wesentliche gelenkt. Die berühmte "Vogelpredigt des Franziskus" stellt einen Höhepunkt der gotischen Malerei in Italien dar und zeigt erstmals seit der Antike eine Landschaftsdarstellung.

Zwischen 1303 und 1305 entstand Giottos Hauptwerk, die Ausmalung der Arenakapelle in Padua, gestiftet vom reichen Bankier Scrovegni, der damit seinem verstorbenen Vater den Weg in den Himmel etwas erleichtern wollte. Der schmucklose Außenbau ist innen komplett von Giotto in Freskotechnik bemalt und zeigt Szenen aus dem Marienleben, sowie das Jüngste Gericht an der Westwand. Dieser reife Stil Giottos mit plastisch modellierten Figuren in Überschneidungen in parallelperspektivischer Darstellung vor Landschafts- und Architekturbühnen hat für viele Jahrzehnte Vorbildcharakter und beeinflusste Maler bis in die Renaissancezeit und festigte den Ruf Giottos als "Vater der Malerei".

Giotto di Bondone starb hoch angesehen am 8. Jänner 1337 in Florenz.

Der Innenraum des Karners, der fast zeitgleich zu Giottos Wirken erbaut wurde, stellte einen wunderbaren Rahmen für die Präsentation seiner Werke dar und der Vergleich mit den Fresken zeigte die enormen Erneuerungen, die durch Giotto in die zeitgenössische Malerei eingeflossen sind.

Samstag, 23. Oktober:

16:00 Workshop für Bildhauerei "Romanische Säulen" mit Andrea Schubert

Workshop Romanische Säulen Viel Geduld und Ausdauer bewiesen die "Bildhauer" beim Workshop Romanische Säulen. Ornamente vom romanischen Rundbogen des Mödlinger Karners inspirierten die Teilnehmer. Mit Hammer und Meißel wurden nüchterne Ytongsteine zu Minisäulen und Reliefs. Erste Versuche waren Ritzarbeiten in Styroporplatten, die dann mit Farbe eingewalzt auf schwarzem Papier abgedruckt wurden.

Sonntag, 24. Oktober:

19:30 Bildmeditation
Pfarrer Dr. Klaus Heine liest Texte von Joop Roeland, Rektor von St. Ruprecht in Wien
Michael Krenn, Saxophon

Die Meditationstexte von Pater Joop Roeland zum Thema "Vom Sehen" wurden von Pfarrer Klaus Heine vorgetragen. Pater Roeland konnte wegen einer Augenoperation nicht selbst anwesend sein.

Meditationstext...

Den musikalischen Teil gestaltete der junge Mödlinger Michael Krenn mit beeindruckendem Spiel auf dem Sopransaxophon.

Pfarrer Klaus Heine liest Texte von Joop Roeland Michael Krenn, Sopransaxophon
Dienstag, 26.Oktober:

17:00 Finissage, Benefizkonzert im Karner
Prof. Anton Straka, Violine
Nicole Fendesack liest Gedichte von Anton Wildgans

Prof. Anton Straka und Nicole Fendesack, Zeichnung von Frau Prof. Susanne Kortan
Zeichnung von Frau Prof. Susanne Kortan (26.10.04)

Prof. Anton Straka, Nicole Fendesack Lore Schanzer sprach einleitende Worte zur gut besuchten Abschlussveranstaltung der aktuellen Reihe Kunst im Karner.

Prof. Anton Straka, Mödlinger und Mitglied der Wiener Philharmoniker, spielte die Partita Nr. 3 für Violine Solo von Johann Sebastian Bach, sowie Altwiener Tanzweisen von Fritz Kreisler.

Die Schauspielerin Nicole Fendesack las Gedichte von Anton Wildgans, unter anderem das folgende über die Othmarkirche:

An meinem Garten ragt ein Gotteshaus uralt
Mit grauen Mauern auf in gotischer Gestalt.
Der nahe Bruch gab Stein, das Holz der nahe Berg,
So strebt der Pfeiler auf und Firstes Balkenwerk.
Die diesen Bau erdacht, ihr Schicksal ist nicht kund,
Die toten Meister nennt kaum der Legende Mund.
Um so lebendiger verblieben ist der Stein,
Dem Efeu gibt er Halt, die Güsse schlürft er ein.
Die Schwalbe unterm Sims hat ihren Nestbesitz,
Der Tauber gurrt vom Dach, das Echslein haust im Ritz,
Und eh' noch Frühling ist in jedem jungen Jahr,
Zu Liebesflug und Brut einzieht ein Falkenpaar.
Dann treiben Gras und Strauch aus Moos- und Mauerwerk,
Und was der Mensch getürmt, ist wiederum ein Berg. -
Das nenn' ich eine Kunst, die ihres Schöpfers Spur
So stolz vergessen macht und heimkehrt in Natur!
Wir andern bringen es mit Müh' und Not zu End',
Daß man uns selbst noch weiß und unser Werk nicht kennt.
Das kommt vielleicht daher, dass wir zu sehr vertraut
Auf Menschenkunst und -gunst und nicht für Gott gebaut.

Bei der abschließenden Agape gab es die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch. Die bei den Workshops angefertigten Kunstwerke konnten betrachtet werden.

Agape Agape Agape Workshop Säulen und Figuren

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